Weiterbildung „ Aufstellungen für Familie, Beziehungen und Systeme"

 

Termine der Weiterbildung 2009/11

Teil 1: 18. - 20. Juni 2009

Teil 2: 1. - 3. Oktober 2009

Teil 3: 26. - 28. November 2009

Teil 4: 18. - 20. Februar 2010

Teil 5: 15. - 17. April 2010

Teil 6: 24. – 26. Juni 2010

Teil 7: 30. September – 2. Oktober 2010

Teil 8: 13. – 15. Januar 2011

Teil 9: 23. – 26. März 2011 (Beginn Mittwoch!)

Teil 10: 26. – 28. Mai 2011

 

 

Termine der Weiterbildung 2011/2012

26. -29. Januar 2011

14. -16. April 2011

14. -16. Juli 2011

14. -17. September 2011

7. -10. Dezember 2011

9. -11. Februar 2012

10. -12. Mai 2012

26. -28. Juli 2012

12. -15. September 2012

6. -9. Dezember 2012

 

Termine der Weiterbildung 2011/2012

Teil 1: 26. -29. Januar 2011

Teil 2: 14. -16. April 2011

Teil 3: 14. -16. Juli 2011

Teil 4: 14. -17. September 2011

Teil 5: 7. -10. Dezember 2011

Teil 6: 9. -11. Februar 2012

Teil 7: 10. -12. Mai 2012

Teil 8: 26. -28. Juli 2012

Teil 9: 12. -15. September 2012

Teil 10: 6. -9. Dezember 2012

Seminarbeginn: 1. Tag um 10.00 Uhr

 

Seminarende: Samstag um 13.00 Uhr



Die Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen (DGfS) hat Richtlinien erarbeitet für eine Aufstellungsfortbildung, die von ihr anerkannt wird.

Ziel ist es, eine hohe Qualität sicher zu stellen. Nach ihren Richtlinien sind noch 7 Tage Weiterbildung mehr vorgesehen, als wir bisher durchführten, also insgesamt 29 Tage.

Wir sind beide als Lehrtherapeuten anerkannt und werden in Zukunft in diesem Umfang weiterbilden. Die Kosten erhöhen sich dadurch um 1000 € auf insgesamt 4000 €.

 

 

 

Vorzüge unserer Weiterbildung Aufstellungen für Familie, Beziehungen und Systeme

• Stufenweiser Aufbau, der den wachsenden Kenntnissen der TeilnehmerInnen entspricht

• Selbständiges Üben des Aufstellens (teilweise unter Supervision)

• Wiederholtes Demonstrieren und Üben von Einzelarbeit

• Erlernen, wie man Sprache flexibel und spontan einsetzt

• Ermutigung und Unterstützung zum individuellen, persönlichen Stil im Aufstellen und/oder zur Integration des Gelernten in die eigene berufliche Tätigkeit

• Die Trainer lehren als Mann und Frau mit gemeinsamer Ausrichtung unter Wahrung ihrer persönlichen Unterschiede und Stärken.

 

 

Ziele der Weiterbildung:

 

Die TeilnehmerInnen integrieren die Erkenntnisse aus der Arbeit mit Familienaufstellungen in die eigene berufliche Arbeit. Sie üben das Familien-Stellen, so dass sie notwendige handwerkliche Grundlagen erwerben.

Ziel der Weiterbildung ist es, dass die TeilnehmerInnen das Wissen um die Ordnungen und Verbindungen in der Familie in ihre jeweilige Arbeit integrieren können.

Die Weiterbildung stellt weder eine Therapie dar noch ersetzt sie eine Therapieausbildung. Dennoch fördert und erfordert sie eine intensive Auseinandersetzung mit sich.

 

 

Inhalte der Weiterbildung:

 

Teil 1 Selbsterfahrung

In den perönlichen Aufstellungen der TeilnehmerInnen werden die Ordnungen und Grunddynamiken in Familiensystemen erfahren und erörtert.

 

Teil 2 Auswirkung von Fakten der Familiengeschichte

Die TeilnehmerInnen erfahren, welche Zusammenhänge zwischen familiengeschichtlichen Fakten und geschilderten Problemen bestehen können und wie Anliegen geklärt werden. Sie lernen das Genogramm als Hilfsmittel zur Aufstellungsarbeit zu nutzen.

 

Teil 3 Dynamiken und Selbsterfahrung

Vertiefung der Selbsterfahrung durch persönliche Aufstellungen der TeilnehmerInnen. Eigene systemische Verstrickungen und deren mögliche Lösungen werden erfahren. Die phänomenologische Haltung wird durch Übungen geschult.

 

Teil 4 Einzelarbeit I

Anhand von persönlichen Anliegen oder Fällen wird das Arbeiten im Einzelsetting mit Figuren /Symbolen demonstriert, erklärt und geübt. Systemische Verstrickungen und deren Lösungen werden erläutert.

 

Teil 5 Beruf, Arbeit, Organisation

Berufliche Blockaden und berufliche Konflikte sind Thema der Aufstellungen. Die Ordnungen und Grunddynamiken in Arbeitssystemen und Organisationen sowie ihre Schnittstellen zur Familie werden erläutert.

 

Teil 6 Einzelarbeit II

Anhand von persönlichen Anliegen oder Fällen wird das Arbeiten im Einzelsetting mir Bodenankern demonstriert, erklärt und geübt.

 

Teil 7 Verschiedene Aufstellungsformate

Die TeilnehmerInnen lernen neue Möglichkeiten kennen, Themen aus den Bereichen wie Krankheiten, Entscheidungen, Ziele, Innere Anteile aufzustellen. Thema sind auch die "Bewegungen der Seele".

 

Teil 8 Supervision

Die TeilnehmerInnen leiten selbst Aufstellungen unter Supervision. Es besteht die Möglichkeit zur Fallsupervision.

Lösungen im Bereich der Aufstellungsarbeit in denen Einzelne sich unsicher fühlen (z.B. Grenzen annehmen, Leiterrolle, Ausnahmesituationen) werden erarbeitet.

 

Teil 9 Trauma

Trauma-Themen , wie unterbrochene Hinbewegung, Missbrauch, und die damit verbundenen Dynamiken (Opfer/Täter/Schuld) werden behandelt. Möglichkeiten und Grenzen von Aufstellungen in der Traumatherapie werden erörtert und demonstriert.

 

Teil 10 Abschluss

Die Praxis und Besonderheiten der Aufstellungsarbeit in den jeweiligen Anwendungsfeldern der TeilnehmerInnen sowie die Einbindung in laufende Therapie/Beratungsprozesse werden erarbeitet.

Die Abschlussarbeiten werden vorgestellt, und ...es darf gefeiert werden!


Im Rahmen der Weiterbildung finden außerdem Raum:

 


• Geschichte, Entwicklung und Weiterentwicklung der Aufstellungsarbeit

• spezielle Dynamiken (z.B. Paare, Patchwork, Adoption, Behinderung etc.)

• pro Weiterbildungsteil Übungsgruppen in denen die TeilnehmerInnen unter Supervision Aufstellungen eigenverantwortlich leiten

 

 

Teilnahmevoraussetzungen:

 

Abgeschlossene Ausbildung, in der Regel in einem psychosozialen Grundberuf, mit 3-jähriger Berufserfahrung.

Falls Sie Systemaufstellungen im Rahmen ihrer therapeutischen Tätigkeit einsetzen möchten, sollten Sie über eine mindestens 3-jährige Weiterbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren verfügen.

Falls Sie Systemaufstellungen in Ihrer beratenden Tätigkeit einsetzen möchten, sollten Sie über eine qualifizierte Beratungsausbildung verfügen.

In Einzelfällen kann bei Nichtvorliegen einer der genannten Voraussetzungen eine Zulassung zur Weiterbildung erfolgen. Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf:Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailbertold.ulsamer (at) t-online.de oder Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailgabulsamer (at) aol.com

Es ist sinnvoll, an einem unserer Seminare teilzunehmen, damit wir gegenseitig ein Bild bekommen, ob diese Weiterbildung die richtige für Sie ist.

 

 

Leitung:

 

Bertold und Gabriele Ulsamer leiten die Weiterbildung gemeinsam. Jeder von ihnen übernimmt einzelne Bausteine.

 

 

Ort:

 

Freiburg im Breisgau

 

 

Kosten:

 

€ 4.000,- für Teil 1 – 10 sowie einem Seminar zur Hospitation, zahlbar auch in Teilbeträgen.

 

 

Anmeldebedingungen:

 

Bitte fordern Sie den Anmeldebogen an bei:

Gabriele Ulsamer

Erasmusstr. 16

D-79098 Freiburg

Telefon: 0761 / 70 64 77

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailgabulsamer(at)aol.com


Die Ausbildungsgebühren können wie folgt gezahlt werden:

· Überweisung bei Kursbeginn über € 4.000,- abzügl. 5 %.

· 4 Raten á € 1000,-, jeweils im Juni 09, Dezember 09, Juni 2010 und Dezember 2010.

· 170,- Euro monatlich per Dauerauftrag über 24 Monate, Beginn Juni 09.


Für Unterkunft und Verpflegung sorgen die Teilnehmer selbst. Am Seminarort, Waldhof Freiburg, können Sie günstig übernachten (Zum Waldhof Freiburgwww.waldhof-freiburg.de).



    Anmeldebogen anfordern




     

    Literaturempfehlung:

     

    Ulsamer B.: Ohne Wurzeln keine Flügel. Die systemische Therapie von Bert Hellinger, Goldmann-Verlag, 1999

    Ulsamer B.: Handwerk des Familien-Stellens. Eine Einführung in die Praxis des systemischen Ansatzes von Bert Hellinger, Goldmann-Verlag, April 2001

    Weber, G.: Zweierlei Glück. Die systemische Psychotherapie Bert Hellingers, Carl-Auer-Verlag, 1993

     

     

     

    Postanschrift:

     

    Gabriele Ulsamer

    Erasmusstr. 16

    D-79098 Freiburg

    Telefon: 0761 / 70 64 77

    Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailgabulsamer(at)aol.com

     

     

     

    Was Teilnehmerinnen und Teilnehmer der bisherigen Weiterbildungen berichten:

     

    Die Weiterbildung war genau das, was ich in meinem Leben sowohl beruflich als auch privat gebraucht habe.

    Das merke ich an folgendem: Ich urteile weniger über andere Menschen. Ich bin im Gegensatz zu früher interessiert an Kontakt mit Menschen auf dieser Ebene, da sie eine Nähe schafft, die für mich tiefer ist als alles, was ich bisher kannte (Rebirthing, Encounter u.ä.) und mit so einfachen Mitteln.

    Mein Verhältnis zu meinem Mann ist anders, Streit lässt sich schneller und früher beenden. Ich habe mehr Akzeptanz für meine Macken und die Macken anderer, kann mehr zu mir stehen. Meine Demut und Spiritualität sind größer geworden. Ich habe einen klareren Standpunkt in meiner therapeutischen Arbeit. Meine Arbeit ist um eine wesentliche Dimension erweitert worden. Ich kann mehr die Probleme bei den Patienten lassen, will nicht so viel helfen.

    Dr. A. R., Ärztin

     

    Meine Absicht, an Aufstellungen mitzuwirken, war, meine Intuition zu trainieren. Ich musste lernen, absichtsvoll absichtslos zu werden. Welche Paradoxie! Wie schwer! Um an mein Inneres Wissen heranzukommen, musste ich lernen, nichts zu wollen, um der Wirkung des Inneren Wissens nicht im Wege zu stehen, ja ihm mich als Gefäß zur Verfügung zu stellen. Diese Einübung in die aktive Passivität war für mich das Wertvollste. Sie hat mich auf einen Weg gebracht, auf dem ich allmählich lerne, zu sehen, wie etwas Größeres Ganzes wirkt, dem es sich anzuvertrauen gilt. Für meine therapeutisch-seelsorgerliches Wirken als Pfarrer und Pastoralpsychologe ist mir diese Grundhaltung sehr wichtig.

    Durch die eigenen Aufstellungen nehme ich auf der persönlichen Ebene eine größere Gelassenheit wahr. Mein Lebensgefühl wurde weiter, räumlicher. Mein Erwartungsdruck auf andere wird mir bewusster und gleichzeitig vermag ich, ihn stärker zurückzunehmen. Mein Sohn, auf den ich viel Druck ausgeübt habe, und der beinahe nochmals sitzen geblieben wäre, hat es überraschenderweise geschafft und hat sich in diesem Schuljahr zum Klassensprecher wählen lassen!

    Ich möchte die Erfahrungen der Familienaufstellungen nicht missen. Sie vertiefen mein Bewusstsein vom Angebundensein an ein Wissen und an eine Weisheit in der Tiefe des Unbewussten. Sie entlassen Wirkungen, die mein Leben höchst lebendig machen.

    U. S., Pfarrer

     


    Die letzte Aufstellung in der dritten Woche hat das bisher tiefste Erleben ausgelöst: die sehr schmerzhaften Rheumabeschwerden in Händen und Armen waren spontan wie weggeblasen, nachdem sich herausstellte, dass meine Urgroßmutter daran so gelitten hat. Meine Großmutter und meiner Mutter und ich wir waren alle in dieses Muster eingespannt. Jetzt hat sich das alles gelöst und ich fühle mich mit meinem 64 Jahren so, dass ich sagen kann: Jetzt kann ich mein eigentliches Leben erst richtig beginnen. Vorher war die meiste Kraft schon für die widrigen gesundheitlichen Umstände verbraucht, bevor ich an meine Aufgaben gehen konnte.

    E-M. T., Lebensberaterin

     

    Durch die Aufstellungsarbeit habe ich gelernt, unvoreingenommen, wertfrei und ohne Vorurteile mit und von anderen zu lernen. Zu beobachten ohne Beurteilung, zu wachsen, mich zu verändern, zu entwickeln, ich fühle mich genährt und geschützt. Ich habe einen Schatz gefunden, eine innere Erfüllung.

    E. W., Heilpraktikerin

     

    Bertold Ulsamer
    Gedanken zur Ausbildung der Familien-Steller

     

     

    Es gibt Entwicklungen, denen sich jede neue Methode stellen muss, Entwicklungen, die wie zwangsläufig auftauchen. Das war und ist bei der Psychoanalyse, der Gestalttherapie oder dem NLP so, das ist auch beim Familien-Stellen so. Die Pioniere erwarben noch in „Marke Eigenbau“ alle notwendigen Kenntnisse, ungehindert, aber auch ungefördert durch irgendwelche Vorgaben und Richtlinien. So existierten noch 1995 noch keine Weiterbildungen zum Familien-Steller, der große Bedarf danach kam erst später. Die folgenden Generationen hatten es dann leichter oder schwerer, je nachdem von welchem Blickwinkel aus man es betrachtet. Anschließend sprossen Weiterbildungen nur so aus dem Boden, teilweise von Anbietern mit viel Erfahrung, teilweise von Anbietern, die es sich nach kurzer Zeit des Stellens selbst zutrauen.


    Dabei ist nicht jeder, der aufstellt ausgebildet. Inzwischen scheint das Familien-Stellen fast zu einem Allgemeingut von Therapeuten und Beratern jeglicher Richtung geworden zu sein. Überraschend viele sind der Ansicht, dass Aufstellen einfach ist und dass sie es können, nachdem sie einige Bücher gelesen ein paar wenige Seminare besucht oder selbst ihre Aufstellung erlebt haben. Im Zusammenhang mit einer solchen Entwicklung ist das Bedürfnis nach guter Aufstellung gewachsen, die sachkundig und verantwortlich durchgeführt.


    Jetzt tauchen Fragen auf wie:

     

    • Wie viel und welche Ausbildung verträgt die „phänomenologisches“ Vorgehensweise des Aufstellers? Wo kippt eine solche Ausbildung aus übergroßer Sorge oder Geschäftsinteresse in eine kontraproduktive „Verschulung“?
    • Was lässt sich überhaupt vermitteln? Welche Ausbildung mit welchen Inhalten und welchem Zeitrahmen ermöglicht den hohen Standard, den die Methode - eigentlich – erfordert? Wie lang nehme ich als Ausbilder jemand an die Hand und wann lass ich ihn los?
    • Schließlich – last but not least: Wer überhaupt kann/soll/darf ausbilden? Jeder, der sich berufen fühlt? Ähnliche Fragen, wie beim Aufstellen wiederholen sich nun wiederum beim Ausbilden.

    Inzwischen hat die Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen (DGfS) hat Richtlinien erarbeitet für eine Aufstellungsfortbildung, die von ihr anerkannt wird. Ziel ist es, eine hohe Qualität sicher zu stellen.

     


    Im Folgenden stelle ich Ihnen einige Gedanken zum Hintergrund solcher Weiterbildungen vor. Mir ist klar, dass die persönlichen Erfahrungen, der eigene Lernstil und auch persönliche Vorlieben der Leiter Weiterbildungen stark beeinflussen. Wichtig sind die Erfahrungen, die mit einem bestimmten Rahmen gemacht werden und die Gründe, die dafür oder dagegen sprechen.

     

     

     

     

    Fähigkeiten des Familien-Stellers

     

     

    Was braucht ein Familien-Steller außer dem Wissen über familiäre Dynamiken? Sicherlich persönliche Reife. Je mehr Lebenserfahrung jemand hat, je besser er diese Erfahrung verarbeitet hat, desto größer ist die Kapazität als Therapeut. Auch umgekehrt wird ein Schuh daraus: Je mehr „blinde Flecken“ jemand hat, je mehr schwerwiegende eigene Probleme ungesehen und unbearbeitet am Rand liegen, desto mehr Hindernisse stehen ihm auch bei der Begegnung mit dem Klienten im Weg.


    Aufstellungen sind ein Spiegel des Therapeuten und seiner persönlichen Entwicklung. Nehmen wir das Beispiel einer Therapeutin, die als Kind missbraucht wurde. Wenn sie nun – ohne diese ihre Wunde bis in die Tiefe geheilt zu haben - mit Klientinnen arbeitet, die als Missbrauchsopfer zu ihr kommen, wird sie befangen sein und deswegen nicht immer angemessen wirken. Sie mag äußerst engagiert sein, ihren Klientinnen die vollste Unterstützung geben, aber alles, was bei ihr noch ungelöst ist, wird die völlige Lösung bei ihren Klientinnen unmöglich machen. Ist hingegen ihre Wunde geheilt, wird diese Therpeutin bei Missbrauchs eine besondere Fähigkeit und Kompetenz besitzen.


    Mit einer wachsenden Reife taucht beim Aufstellen eine gewisse Bodenständigkeit auf, die ich auch als „gesunden Menschenverstand“ bezeichne. Dinge werden einfacher statt komplizierter. Nicht weil komplizierte Probleme unzulässig vereinfacht würden, sondern weil ein einfacher Blick zeigt, dass bestimmte Schritte anstehen.


    Wie kann jemand diesen Reifungsprozess fördern? Zum einen ist es gut zu wissen, dass Reife nichts ist, was ich zwingen kann. Mit Gewalt und im Eiltempo Lebenserfahrung tanken ist nicht möglich. Ich brauche dazu also Geduld. Je mehr ich mich mit dem Maß an Erfahrung bescheide, das mir im Moment schon gegeben ist, desto bereiter bin ich, aus dem Kommenden zu lernen. Je mehr sich jemand dann neuen Erfahrungen aussetzt, an die eigenen Grenzen geht, Wagnisse und Risiken eingeht, desto mehr Lebenserfahrung erwirbt er. Darüber hinaus – ob wir wollen oder nicht - das Leben selbst fördert und fordert uns durch Ereignisse wie Trennung, Tod, Geburt usw.


    Darüber hinaus ist die Auseinandersetzung mit sich selbst, auch über andere therapeutische Methoden fast ein „Muss“ für den aufstellenden Therapeuten. Dabei sehe ich drei große Bereiche von therapeutischen Richtungen. Sie mögen sich in manchen Teilen überschneiden, stellen aber doch insgesamt eigene Gebiete dar. (Die wichtige Methode der Verhaltenstherapie halte ich dabei für die Eigenerfahrung nicht notwendig.) Es scheint mir nicht so wichtig, mit welcher konkreten Methode jemand sich auseinander gesetzt hat, sondern nur, dass er Erfahrungen mit sich selbst in diesen drei Bereichen hat, bzw. sie im Laufe der Jahre erwirbt oder weiter vertieft.

     

     

    • Bereich: Körper – Gefühl

     


    Je mehr wir unseren Körper spüren, desto lebendiger sind wir und desto mehr sind wir mit all unseren Gefühlen verbunden. Mit wenig Beziehung zu unserem Körper sind wir blockiert und unterdrücken Wahrnehmungen und Gefühle. Einem solchen Aufsteller fällt es dann schwer, zu den tiefen Schichten unter den Emotionen, die die Arbeit mit Familienaufstellungen ermöglicht, durchzudringen. Methoden, die uns mit Gefühlen und dem Körper verbinden, sind vielfältig. Sie reichen von er Primär- und Gestalttherapie über die Bioenergetik bis hin zur Atemarbeit und dem Tanz und Theater.

     

    • Bereich: Bewusstes (Mentales) und Unbewusstes

     


    Wie und was wir denken und das, was darunter unbewusst verborgen liegt, bestimmen unser Handeln. Durch das Bewusstwerden unserer Gedanken entsteht Abstand zu unseren automatischen Reaktionen aufgrund dieser Gedanken. Gleichzeitig werden unsere Gedanken „verhandelbar“ und können sich ändern. Im Zusammenhang damit sind heute die Erkenntnisse gewachsen, was eher im unbewussten Raum darunter abläuft und oft noch bestimmender für uns ist. In dem mehr bewussten Bereich finden sich Methoden wie das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP), die Rational-Emotive Therapie (RET), aber auch der konstruktivistische systemische Ansatz. Für den unbewussten Bereich steht insbesondere die Hypnotherapie nach Milton Erickson, aber auch eine Methode wie das Katathyme Bilderleben.

     

     

    • Bereich: Kommunikation und Seminarleitung

     


    Wer mit Einzelklienten aufstellt, braucht über die Kenntnisse des Aufstellens hinaus eine Vielzahl kommunikativer Fähigkeiten. Er muss seine Klienten erreichen und ihnen gerecht werden. Wer in Gruppen aufstellt, wird noch weit mehr als in der Einzelarbeit herausgefordert und braucht zusätzliche Leiterfähigkeiten. Er sollte in der Lage sein, Konflikte konstruktiv zu lösen. Methoden, die hierbei hilfreich sind, reichen vom NLP, der Hypnotherapie bis zur Mediation.

     


    Hinzu kommt ein vierter, für Aufsteller und Aufstellerinnen wichtiger Bereich, der über die drei hier genannten hinausreicht:

     

     

    • Innere Stille

     


    Dieser Bereich ist schwer in Worte zu fassen. Hier geht es um die Grundlage für das phänomenologische Aufstellen, davon, wenn Bert Hellinger von der „leeren Mitte“ spricht. Viele erfahrene Aufsteller waren vorher - oder sind es noch heute – auf einem “spirituellen“ Weg. Der reicht von einer bewusst christlichen Ausrichtung über den Zen-Weg bis hin zum Meister in Indien. Ein solcher Hintergrund scheint es zu erleichtern, bei Aufstellungen in die Tiefe zu gehen.


    Dabei hat Aufstellen selbst etwas von einem “spirituellen“ Weg. Denn der Aufsteller begegnet immer wieder unmittelbar in Aufstellungen dem Geheimnis – mit dem Wunderbaren und dem Schrecken - und der Größe des Lebens und dem Dank für dieses Leben. Diese Dimensionen reichen in einen „religiösen“ Bereich hinein, der außerhalb etablierter Moral und Religion liegt.

     

     

     

     

    Die Entwicklung als Familien-Steller

     

     

    Die gerade genannten Entwicklungsschritte lassen sich nicht lehren. Sie bleiben als Aufgabe übrig für denjenigen, der in der Arbeit als Therapeut weiter wachsen will.

     


    Wichtig ist: „Blinde Flecken“ sind ein Teil der eigenen Unzulänglichkeit. Durch die Arbeit mit Aufstellungen und durch die Rückmeldungen werden sie dem Therapeuten bewusst. Sich damit auseinanderzusetzen, ist ein Teil der persönlichen Entwicklung. Gleichzeitig ist es wichtig, die eigene Mangelhaftigkeit anzunehmen. Sie gehört zu uns und wird auch in Zukunft zu uns gehören. Wenn ich zu meiner Fehlerhaftigkeit stehe, stärkt es mich, anstatt mich zu schwächen.

     


    Der Therapeut verändert sich selbst während und durch die Arbeit mit den Aufstellungen. Am meisten habe ich selbst durch das Aufstellen gelernt. Ich gehe davon aus, dass es unseren Teilnehmern und Teilnehmerinnen genau so gehen wird. Deswegen ist das Üben in Kleingruppen ein dauernder Bestandteil nach den ersten Einführungsseminaren.

     


    Dabei ist positive Veränderung oder Wachstum nie ein selbstverständlicher Mechanismus. Es gibt in jedem die Tendenz, sich nach gewisser Zeit ein Stück der Routine auszuliefern. Manchmal ist es einfacher, an den einmal gewonnenen Einsichten, an dem erreichten technischen Können festzuhalten, als sich immer wieder in Neuland zu wagen. Der Aufsteller und die Aufstellerin brauchen deshalb Wachheit und die eigene Bereitschaft, sich dem Neuen auszusetzen.

     


    Persönliche Entwicklung fördern wir bewusst über die Supervision von schwierigen Fällen. Einmal hilft sie bei fachlichen Fragen, um mehr über bestimmte systemische Zusammenhänge zu erfahren, z. B. bei Drogen, Missbrauch, Selbstmord. Oft gibt es aber noch eine persönliche Seite, die ein bestimmtes Thema besonders heikel sein lässt. Eine Aufstellung zur Supervision kann dann jemand helfen, sich mehr mit dem Thema und auch mit sich selbst auseinander zu setzen. Von daher ist es für AufstellerInnen sinnvoll, sich nach einer Weiterbildung einer Supervisionsgruppe anzuschließen.

     

     

     

     

    Ausblick und Fragen

     

     

    Wie soll und kann Weiterbildung für Familien-Steller aussehen? Wie lang soll sie sein? Die Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen hat sich für einen Umfang von 29 Tagen entschieden. Das scheint ein guter Mittelwert zu sein.

     


    Bei einer relativ kurzen Weiterbildung sehe ich die Gefahr, dass jemand nicht genügend Wissen und Kenntnisse erworben hat und sich gleichzeitig überschätzt. Bei einer langen sehe ich die Gefahr, dass das eigene Hinsehen und die eigene Verantwortung eher geschwächt wird. Wesentliches lässt sich nicht lehren und als Lernstoff vermitteln. Es sind die eigenen Schritte und Einsichten, die einem natürlichem Wachstum und Entwicklungsprozess entsprießen, der bei jedem einen anderen Rhythmus hat. Der Anspruch, das Wesentliche zu lehren und als Lernstoff zu vermitteln, kann deshalb sogar die eigenen Schritte erschweren und behindern.

     


    Dabei ist jede/r anders, jede/r lernt anders. Was der eine als Druck und Gängelung erlebt, erlebt der andere als Unterstützung und hilfreichen Rahmen.

     


    Als Schlussfolgerung befürworte ich, dass es unterschiedliche Weiterbildungen geben sollte und dass auch hier auf den „Kunden“ vertraut wird, dass er die ihm gemäße Weiterbildung heraus findet. Derjenige, der eine Weiterbildung sucht, ist in der Regel erfahren und weniger „schutzbedürftig“ als der Klient, der nur seine Familien aufstellen will.

     


    Gleichzeitig befürworte ich sehr den Austausch unter Weiterbildnern, weil auf diese Weise wertvolle Anregungen ihren eigenen Weg durch unterschiedliche Weiterbildungen nehmen können. So entsteht von Freiburg aus gerade ein kleines Netzwerk von verschiedenen Aufstellern, die ihre Weiterbildungsteilnehmer gegenseitig zur Hospitation zu ihren Seminaren einladen. Ich halte mehr solcher Entwicklungen wünschenswert.

     

     

     



    Zum Schluss noch Bert Hellinger zu dem persönlichen Weg:

     

     

    • "Die Phänomenologie ist gleichzeitig eine spirituelle Methode. Aber nicht im allgemeinen religiösen Sinn, sondern auf eine philosophische Weise. Sie erfordert nämlich eine Reinigung, eine Läuterung. Vor allem eine Läuterung es Geistes. In der abendländischen Mystik nennt Johannes vom Kreuz das die ‚Nacht des Geistes’. Das ist der Verzicht auf Wissen und auf jegliche Sicherheit. Dieser Läuterungsprozess dauert lange. Der Therapeut, der sich auf diese Arbeit einlässt, lässt sich auch auf diesen Läuterungsprozess ein. Er erlebt ihn dann. Den kann man nicht planen oder üben. Er ergibt sich aus dem Geschehen. So gewinnt man im Laufe der Zeit diese Haltung. Je mehr das Sich-Zurückziehen gelingt, desto mehr kann geschehen. Ich gebe mit dem Mich-Zurückziehen dem, was abläuft einen Platz. Dieser Vorgang ist sehr demütig. Er ist das Gegenteil von Wissenschaft. Er ist äußerste Empirie, reine Erfahrung mit dem, was sich zeigt. Sie bewährt sich an der Wirkung. Daher ist das reine Erfahrungswissenschaft. Es ist nur beobachtet. Ich war manchmal davon überrascht, was mir da aufgefallen ist und habe gedacht: Wenn ich das sage, werden Leute mich angreifen. Aber wenn ich etwas so gesehen habe, sage ich es auch. Therapeuten, die sich auf diesen Weg machen wollen, fangen unten an. Ganz gewöhnlich, so wie jede Kuh als Kalb beginnt. Man braucht nicht vollkommen zu sein, sondern man begibt sich auf diesen Weg und wird dann geführt. Man kann dann immer mehr und auch immer mehr Gefährliches zulassen und sich dem aussetzen."

    Ulsamer - Seminare für System- und Familienaufstellungen